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AfL Niedersachsen e.V.

 

Forstpolitik 2008

Ausschreibung – Hart statt fair !

Karikatur: Vision C

Das Ausschreibungsunwesen bei den öffentlichen forstlichen Auftraggebern entwickelt sich neben dem quersubventionierten Stockmarkt der Holzindustrie, in eine Richtung, die fast nur noch mit Karikaturen be- bzw. umschrieben werden kann.
Gleichwohl steht ein System dahinter, das einige wesentliche Ziele beinhaltet:

Durch die diversen Reformen der 90er Jahre bis zu vielen Nachfolgeveranstaltungen, sind die Strukturen der traditionsreichen Landesforstverwaltungen durch Flächenzuschnitte und Rechts- und Kompetenzverlagerung – politisch gewollt – gebrochen. Damit einhergehend hatte der Personalabbau eine Schlüsselrolle inne. Dieser wurde mit einer beispiellosen Konsequenz durchgezogen weit über das Erforderliche hinaus. Dadurch ist der traditionelle Einfluss der IG BAU und der Personalvertretungen, als Korrektiv, entmachtet. Als Alternative wurde der Unternehmer-Einsatz ausgebaut und dieser war und ist manipulierbar auf Grund der Schwäche und Disziplinlosigkeit dieser Gruppe, die weit gehend ohne berufsständisches Auftreten sich selbst zerstört.
Eine Folge der praktizierten, artwidrigen Ausschreibungspraxis, sind die undifferenzierten Angebotsabgaben von unqualifizierten Unternehmen auf fehlerhafte und ebenso unqualifizierten Ausschreibungen der Forstbehörden bzw. ihrer ausgelagerten Betriebe in unterschiedlicher Rechtsform. Diese sind Lichtjahre von den Vorgaben der VOL/A entfernt und dienen ausschließlich der Preisdrückerei: Nicht das wirtschaftlichste Angebot bekommt den Zuschlag, sondern i. d. R. das mit dem niedrigsten Preis.

Wir sind, von wenigen Ausnahmen abgesehen, deutschlandweit auf ein existenzbedrohendes Preisniveau für forstliche Dienstleistungen – insbesondere für die hochmechanisierte Holzernte und die Bringungsarbeiten – hinabgesunken. Es taucht die ernste Frage auf, ob bei dieser Entwicklung die Unternehmerkapazitäten und die Arbeitsplätze, die für die deutsche Forst- und Holzwirtschaft so unverzichtbar geworden ist, mittelfristig gesichert sind.

Es handelt sich hier nicht über kurzfristige Überbrückungsaufträge zu Sonderpreisen, sondern m eine gezielte Entwicklung, die verantwortungslos und brutal von der einen Seite und naiv und unqualifiziert von der anderen Seite in den Abgrund getrieben wird. Ein Aufhalten dieser Preisspirale nach unten darf nicht erst einsetzen, wenn jede Reparatur zu spät kommt, sondern jetzt !

Es ist ein ernstes Problem für die ländlichen Räume insgesamt und für die Versorgung der global ausgerichteten deutschen Forst- und Holzwirtschaft speziell. Die seit 2006 durchaus erfreulichen Holzpreise haben sich leider in keiner Weise positiv auf den Dienstleistungsmarkt ausgewirkt, im Gegenteil, damit hat die Rutsche nach unten erst recht eingesetzt. Die Forderung (und Umsetzung durch die Forstunternehmer) nach Qualifizierung und Zertifizierung und deren Glaubwürdigkeit wird Lügen gestraft, eben Nachhaltigkeit im verwässerten Sinn.

Es ist erschreckend zu beobachten, mit welcher Brutalität, Gedankenlosigkeit, Verantwortungslosigkeit und teilweise Arroganz man alles geschehen lässt. Offensichtlich mit vollem Wissen und Abnicken der Politik. Denn diese wiederum hat ihre ausgelagerten Beamten dazu ermuntert, mindestens die schwarze Null und mehr einzufahren, um jeden Preis? Die ersten Ergebnisse einiger Landesbetriebe, in der Presse stolz gefeiert, bestätigen diese Vorgaben der Politik !

Vor dem Hintergrund wachsender Nachfrage nach Holz und einer Branche, deren größter Teil diese Pflege-, Ernte- und Transportarbeiten bewältigt, also unverzichtbar ist, kann die Situation nicht erklärbar sen. es ist höchstens mit der frühindustriellen Entwicklung des 19. Jahrhunderts vergleichbar. Umso verwunderlicher ist es, dass die beschriebene Misere in unserem hoch technisierten, so aufgeklärtem Zeitalter stattfindet. Beiden Perioden vergleichbar ist die Geringschätzung des Menschen, seiner Arbeitskraft und seiner Heimatbindung. Politisch hat die EU-Bürokratie und der so genannte europäische Binnen-Markt einen nicht unerheblichen Anteil an der gegenwärtigen Situation. Die politischen Entscheidungsträger inkl. der grünen Ministerialbürokratie haben die Bodenhaftung total verloren, letztendlich zum Nachteil der ländlichen Räume, mit deren Namen die meisten Länderregierungen sich im Briefkopf stolz schmücken.

Quo vadis, deutsche Forstunternehmer ?

Hans-Jürgen Narjes