Wenn Sie diese Seite direkt aufgerufen haben, kommen Sie hier zur Startseite der AfL Niedersachsen e.V. und erhalten dort weitergehende Informationen.
 
AfL Niedersachsen e.V.

Presse-Mitteilungen

 
Kommentar

Hohe Holzpreise, schwarze Zahlen
wer zahlt die Zeche ?

Hans-Jürgen Narjes über die Ausschreibungspraxis der Waldbesitzer

Die hohen Holzpreise gehen auf unsere Abhängigkeit von der fossilen Energie zurück, die Forderung nach schwarzen Zahlen ist die Vorgabe der Politik an ihre ausgelagerten Landesforstverwaltungen.
Die Zeche bezahlen die Forstunternehmer !

Preise unter Kostenniveau

Wie mittelstandsfeindlich die Praxis entgegen der Sonntagsreden aussieht, wird durch die Ausschreibungspraxis verschiedener Landesbetriebe deutlich. Das Ergebnis sind Dienstleistungspreise weit unter Kostenniveau in Hessen, Bayern und anderswo. Da kommen Stockpreise z. B. für Kiefernindustrieholz im Fläming (Sachsen-Anhalt) von 18 Euro/Rm zustande, gnädigerweise zahlt einer der Giganten am Markt als Trabant der Holzindustrie dem Ernteunternehmer 9,35 Euro/Rm für Einschlag und Rücken.
In der Ausschreibung einer Gesamtmenge von z. B. 40.000 Einheiten schreibt das Forstamt für den Privatwald VOL-widrig Mindestpreise vor.
Das alles wird als Markt bezeichnet.
Es ist aber Ausbeutung.

Zuschläge erhalten die Großen der Holz verarbeitenden Industrie oder deren Ableger, die Arbeit wird durch Subunternehmer zu Dumpingpreisen von 7 bis 10 Euro ausgeführt. Von der Einhaltung der Zertifizierungskriterien und Sozialstandards ganz zu schweigen.

Fühlten sich die Landesforstverwaltungen früher verantwortlich, wird heute zum Nachteil der Unternehmer Kasse gemacht. Die Ausschreibung hat sich zu einem Werkzeug entwickelt, mit dem die Dienstleistungspreise niedrig gehalten werden können. Soziale, ökonomische und ökologische Ziele werden ignoriert, Sinn und Zweck der VOL wissentlich verletzt.

Seit Jahren und Jahrzehnten stagnieren die Dienstleistungspreise bzw. sie sind real rückläufig, sie bewegen sich auf dem Niveau der 1970er bis 1980er Jahre. Und das alles bei Kostensteigerungen um 50 bis 200 %.
Dass die Forstunternehmer dieser Entwicklung überhaupt standhalten, ist ihrer unternehmerischen Leistung zu verdanken und nicht zuletzt dem berühmten, eng geschnallten Gürtel. Hohe Produktivität, technischer Fortschritt bei den Maschinen, Ausbildung des Personals, Flexibilität waren und sind der Grund, dass bisher die Versorgung der Holzindustrie sicher gestellt werden konnte.
Alles und das muss klar und deutlich gesagt werden auf Kosten und auf Risiko der beteiligten Menschen, der Familien und der Mitarbeiter.
Es findet ein subventionierter Wettbewerb in Höhe von 68 Euro/Rm durch die großen der Holzindustrie statt.

Es ist schon schizophren:
Erst durch die hohe Produktivität und Leistung der Forstunternehmer einhergehend mit der Auslagerung früher regieeigener Arbeiten und dem Stellenabbau bei Beamten und Forstwirten war eine Rechtsformänderung überhaupt möglich. Und der Dank an die Unternehmer ist die Knebelung durch Ausschreibungen.

Nicht genug Rohholz

Es stellt sich jetzt heraus, dass man bei Bewilligung der Fördermittel für die diversen neuen Werke der Holzindustrie die Rohstoffversorgung ungenau und leichtfertig ermittelt hat und eine sichere Versorgung aus heimischer Produktion nicht sicherstellen kann. Die Industrie fragt Holz nach, aber trotz hoher Holzpreise ist die Nachfrage nicht zu decken.
Eine für Deutschland neue Erkenntnis.

Der aktuell hohe Bedarf an Brennholz ist zwar ein begrenzend wirkender Faktor, er ist aber nicht allein verantwortlich.
Die Mobilisierung zusätzlicher Holzmengen, wie erwartet, versprochen, wissenschaftlich (?) errechnet, belegt durch die BWI 2, klappt nicht so einfach oder ist möglicherweise gar nicht umsetzbar. Kleinstprivatwald, unzureichende Organisation eben dieser Kleinwaldbesitzer, die nicht unbedingt Holz verkaufen wollen oder müssen, kennzeichnen die Situation. Hinzu kommenschlecht- oder unbefahrbare Lagen und starke Nutzung bzw. teilweise Übernutzung der leicht befahrbaren Standorte in den mittleren Baumhölzern.

Ergo, es kommen mehrere Momente zusammen:

  • Das Oligopol der Holzindustrie bei der Beschaffung des Rohholzes über Selbstwerbung.
  • Das unverantwortliches Verhalten ehemaliger Landesforstverwaltungen.
  • Das eingeschränkte Holzangebot aus den oben genannten Gründen.
Und wie reagieren die ansässigen Forstunternehmer ?
Leider durch Nachgeben bis zur Selbstaufgabe.

Kann diese Entwicklung im Interesse verantwortlicher, nachhaltig denkender und wirtschaftender Waldbesitzer sein? Kaum, denn auch sie werden bei Andauer dieser Situation zu den Verlierern gehören.

Ein anständiger Holzpreis muss aber allen Beteiligten zugute kommen.

Was ist zu tun ?

Gegensteuern durch:
  • vernünftige und sachliche Verhandlungen mit den Verantwortlichen;
  • Information der Öffentlichkeit;
  • Kartellklagen;
  • ständige Beschwerden und Klagen gegen die Ausschreibungspraxis;
  • Anfragen an die Landtage;
  • Demonstrationen, z. B. durch Blockierung der Innenstädte und Autobahnkreuze mit Maschinen, Tiefladern und Forstschleppern bis die Politik erkennt, dass hier etwas nicht weiter billigend in Kauf genommen werden kann.
Hans-Jürgen Narjes, DFUV
Aus Forst&Techik 11/2006


 

Verträge einhalten !

    Gilt der juristische Grundsatz „Verträge müssen gehalten werden“ auch für die Branche der Forstunternehmer (forstliche Dienstleistung) oder ist er nur eine naive Vorstellung vom Wert und vom Funktionieren des deutschen Rechtsstaates ? Letzteres lässt die Praxis vermuten, in der Forstunternehmer erleben müssen:
    Verträge sind nicht das Papier wert, auf dem sie gedruckt sind.

Selbst banale Verträge werden oftmals nicht eingehalten, weil zum Beispiel der Markt gerade mal dieses oder jenes Sortiment nicht benötigt, in China irgend ein Insekt in deutschen Containern gesichtet wurde, das eine oder andere Industriewerk sich im Einkauf verspekuliert hat, eine Forstverwaltung oder ein Waldbesitzer die Lage falsch eingeschätzt hat, ein Revierleiter in Urlaub geht und dem Vertreter nicht traut, eine Jagd angesagt ist, Witterungsverhältnisse ein Weiterarbeiten ohne Ausgleichsflächen nicht ermöglichen, und so weiter und so fort.
Allein die Tatsache, dass in der Forst- und Holzwirtschaft ein Rechtsgrundsatz so infrage gestellt wird, wirft ein bezeichnendes Licht auf die Situation und auf die handelnden Personen, Unternehmen, Verwaltungen und Institutionen. Immer und in jeder Lage ist der Marktstärkere im Vorteil und scheint sich ohne Konsequenzen alles heraus nehmen zu können. Dies beweisen auch Urteile – wenn es schon einmal zu gerichtlichen Auseinandersetzungen kommt. Die meisten enden damit, dass der Schwächere verliert, oder es kommt zum Vergleich. Letzteres ist eine Ausnahmen. In der Regel wagt der Marktschwächere nicht, den starken Vertragspartner zu verklagen. Denn die Folge wäre das Ende der Geschäftsbeziehung.

Auch mündliche Abmachungen sind nach dem BGB Verträge. Dazu gehören aber Partner, bei denen der Grundsatz „Ein Mann, ein Wort“ noch gilt. Und leider sind wir von der Achtung preußischer Tugenden in Deutschland weit, weit entfernt. Hierzulande gelten andere Ideale. Gibt es noch Treu und Glauben ?  Verkehrssitte ?  Den königlichen Kaufmann, der einstmals den deutschen Holzhandel geprägt hat ? Wir leben in einer Gesellschaft, die im Wirtschaftsleben verlernt hat, Verantwortung zu übernehmen und sich daran zu halten.

Und nun glauben irgendwelche forstliche Technokraten in einigen Restforstverwaltungen, sie können im Rahmen von Ausschreibungen Markt spielen. Selbst in der Erkenntnis, dass der Auftragnehmer die meisten Vorgaben überhaupt nicht einhalten kann, weil zig Gründe dazwischen kommen, die auch der Ausschreibende überhaupt nicht beeinflussen kann, selbst wenn er wollte. Wir leben nun mal nicht in der so heilen, berechenbaren, schönen VOL/A-Welt, in der eine Stunde eine Stunde, ein Hektar ein Hektar, ein Festmeter ein Festmeter und der gute Petrus immer gut gestimmt ist, außerdem die so allmächtige Holzindustrie sich penibel an ihre Verträge hält.

Und wir ?  Wir lassen uns alles gefallen !  Schlimm, denn unsere Geschäftspartner – Banken, Versicherungen, Fiskus usw. – sind nicht so nachsichtig.
Sie berufen sich bei Nichterfüllen auf AGB, Kreditlinien, Versicherungsbedingungen, Zahlungsziele und Zahlungsfristen. Und alle diese Bedingungen und Fristen sind einzuhalten, oder Zwangsmaßnahmen werden eingeleitet, die i. d. R. Erfolg haben und unter Umständen das Ende einläuten. Denn unsere Geschäftspartner sitzen immer am längeren Hebel.
Unsere Auftraggeber spielen mit Zahlungsfristen und Skonto ganz nach Belieben über Wochen und Monate. Betrugstatbestände werden billigend in Kauf genommen.
Das Werkseingangsmaß ist an allem Schuld, oder ?

In diesem Spannungsfeld zu wirtschaften, grenzt an Überlebenskunst !  Und weil dieses Beschriebene den Normalfall in der deutschen Forst- und Holzwirtschaft darstellt, muss sich niemand wundern, dass die Reaktion entsprechend ist. Allein aus Gründen des Überlebens.
So weit sind wir mit der einst so berühmten deutschen Unternehmenskultur gekommen. Aus der sozialen Marktwirtschaft sollte die neue soziale Marktwirtschaft werden.
Politische Schaumschlägerei ?

Warum wird nicht endlich das Harvestermaß als Abrechnungsgrundlage benutzt ?
Mit einem Schlag wäre eine einfache und gläserne Abrechnung / Bezahlung möglich; viele Auseinandersetzungen fänden nicht mehr statt. Nicht nur das teils monatelange Warten auf die Abrechnungsmaße fiehle weg, sondern die jeweiligen Zuordnungen könnte zeitnah erfolgen. Es wäre eine vertrauensbildende Maßnahme.

Das jetzige System beruht auf Misstrauen, Verschleierung und den Verdacht der Übervorteilnahme. Wieviel Holz „verdunstet“ in Deutschland durch Maßdifferenzen und Umrechnung ?  Außerdem finanzieren de facto viele kleine, mittelständische Forstunternehmer den großen Holzindustrieunternehmen dadurch zinslose Kredite, deren Konditionen die Industrie bestimmt. Das Werkseingangsmaß mag korrekt und geeicht sein, der Weg der Daten ist durch viele Schnittstellen undurchsichtig und hebelt praktisch viele Verträge völlig aus.

Wir brauchen mehr Vertrauen und Ehrlichkeit.

Hans-Jürgen Narjes,   AfL Niedersachsen

Pacta sunt servanda –
„Verträge müssen gehalten werden.“

Vertrag (Brockhaus): Im römischen Recht jede schuldrechtliche Vereinbarung; ein Rechtsgeschäft, das durch übereinstimmende Willenserklärung, d. h. durch Angebot und Annahme, zustande kommt. (…) „Die auf Verschulden beruhende Verletzung eines Vertrages verpflichtet zu Schadenersatz.“
Bindung an den Vertrag (BGB § 145): „Wer einem anderen die Schließung eines Vertrages andrängt, ist an den Vertrag gebunden, es sei denn, dass er die Gebundenheit ausgeschlossen hat.“
Auslegung von Verträgen (BGB § 157): „Verträge sind so auszulegen, wie Treu und Glauben mit Rücksicht auf die Verkehrssitte es erfordern.“


 
KWF-Pressemitteilung Nr. 11/2005
18. Juli 2005

Forstunternehmer erwerben
aktive KWF-Mitgliedschaft

Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft forstwirtschaftlicher Lohnunternehmer Niedersachsen e.V. im Deutschen Forstunternehmer-Verband (DFUV) haben als erster Landesverband geschlossen die aktive Mitgliedschaft im Kuratorium für Waldarbeit und Forsttechnik e.V. (KWF) erworben. Das KWF heißt die 142 neuen Mitglieder willkommen und freut sich auf eine fruchtbare Zusammenarbeit. Weitere Landesverbände werden in den nächsten Wochen folgen.

Das KWF begrüßt die Mitgliedschaft der Forstunternehmer als wichtige Zielgruppe seiner Arbeit. Sie sind unverzichtbare Partner bei der Prüfung, Fortentwicklung und Verbreitung rationeller Arbeitstechnik, beim Einsatz wirtschaftlicher, unfallsicherer und umweltschonender Forstmaschinen und bei der Qualifizierung der im Wald tätigen Menschen.

Bereits seit längerem gehören dem KWF zahlreiche organisierte und auch nicht organisierte Dienstleistungsunternehmer und -unternehmen als aktive bzw. fördernde Mitglieder an. Sie entsenden über das BMVEL einen Vertreter in das oberste KWF-Organ, den Verwaltungsrat, und wirken in den Arbeits- und Prüfausschüssen des KWF mit.

Zurück

 
DFUV Pressemitteilung vom 20. 04. 2005

Neuwahl des DFUV-Vorstandes

Auf der Delegierten-Versammlung des Deutschen Forstunternehmer Verbandes e.V. kürzlich in Alsfeld-Eudorf ist der Geschäftsführende Vorstand mit überwältigender Mehrheit neu gewählt worden.

Wiedergewählt wurden: Hans-Jürgen Narjes, Vorsitzender
(AfL Niedersachsen e.V.)
  Rolf Holfert, Stellv. Vorsitzender
(Sächsischer Forstunternehmer Verband e.V.)
Neu in den Vorstand gewählt: Thomas Klute, Stellv. Vorsitzender
(AfL Hessen e.V.)

Der Bundesverband wird seine Arbeit kontinuierlich fortsetzen. Neben der erfolgreichen Konsolidierung in den letzten Jahren, wird weiter berufspolitisch für die deutschen Forstunternehmer gearbeitet, deren Leistung für die deutsche Forst- und Holzwirtschaft unverzichtbar ist. Qualifizierung und Zertifizierung bilden neben dem Bemühung um Preisdisziplin, Planungssicherheit und soziale Standards die Hauptaufgaben des Verbandes.
Angestrebt wird eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit dem Waldbesitz, der Holzindustrie und der Wissenschaft.

Hans-Jürgen Narjes, Vorsitzender


 
DFUV Pressemitteilung vom 10. 04. 2005

Deutsche Forstuntemehmen sind unverwechselbar !

Aus gegebenen Anlaß weist der Deutsche Forstunternehmer Verband e.V. darauf hin, dass sich die Berufs- bzw. Branchenbezeichnug „Forstuntemehmen“ für die kleinen und mittleren Dienstleistungsbetriebe in der deutschen Forstwirtschaft etabliert hat.

Unter dieser Bezeichnung werden weder ehemalige, ausgelagerte Staatsbetriebe der Landesforstverwaltungen noch Servicegesellschaften der Holzindustrie verstanden.

Die mittelständischen Forstuntemehmen mit ihren bis zu 30 Arbeitnehmern je Betrieb und einem umfangreichen, modernen Maschinenpark haben sich zum Rückgrad und Träger der überbetrieblichen Forstarbeit entwickelt. Ohne diese (KMU)-Betriebe ist weder die Belieferung und Sicherstellung der Holzindustrie mit dem Rohstoff „Holz“ gewährleistet noch die Waldbewirtschaftung gesichert.

Die ca. 3.000 deutschen Forstuntemehmen mit ihren ca. 8.000 Arbeitnehmern tragen ihr geschäftliches Risiko ausschließlich selber ohne den Staat oder eine Kapitalgesellschaft im Hintergrund als Sicherheit zu haben.

Der DFUV erwartet, daß die Pseudo-Unternehmen des Staates und der Industrie nicht den echten Unternehmen den Namen streitig machen und entsprechend Phantasie aufbringen, eine geeignete Bezeichnung zu finden. Denn zu groß sind die Unterschiede der unternehmerischen Tätigkeiten, Risiken und Wertvorstellungen.

Hans-Jürgen Narjes, Vorsitzender


 

Auf gleicher Augenhöhe ?

Auf Tagungen, Seminaren und ähnlichen Veranstaltungen, aber auch bei offiziellen und inoffizellen Gesprächen wird sehr häufig der schlechte Organisationsgrad der Forstunternehmer beklagt.
Damit ist dann unterschwellig der Hinweis verbunden, „Wenn Ihr nicht in der Lage seit, Euch anständig zu organisieren, dann wundert Euch nicht über den schlechten Zustand der Branche.“
Vielleicht ist man auch ganz froh, daß dieser „Haufen“ noch nicht geschlossen auftritt und wohlmöglich Forderungen stellt. Nicht auszudenken … !
Wie sagte doch ein Forstbeamter so treffend zu einem Rückeunternehmer:
Das Denken überlassen Sie mir, Sie müssen arbeiten !

Schwäche durch Spaltung

Zunächst die Analyse:
Von den ca. 1.800 bis 2.000 Profi-Unternehmen sind in Deutschland gut 25 % organisiert. Also im Vergleich zu anderen Organisationen und Gewerkschaften ein nicht so schlechter Stand, wenngleich noch sehr unbefriedigend. Das eigentliche Problem ist, dass sich diese Organisation auf verschiedene Gruppierungen verteilt und damit durch Spaltung geschwächt ist.
Dem anerkannten Deutschen Forstunternehmer Verband e.V. (DFUV) als Bundesvertretung verweigern sich die unselbstständigen Fachgruppen des süddeutschen Raumes und einige kleinere Vereinigungen in anderen Bundesländern aus nicht nachvollziehbaren Gründen.

Im europäischen Mittelfeld

Zwar ist der Organisationsgrad in den europäischen Nachbarländern auch sehr unterschiedlich, von Finnland mit annähernd 90 % bis nach Lettland mit ca. 8 %.
Aber alle diese Länder haben mit einer Verwaltungsstruktur und einer Forstpolitik zu tun.

Im förderalen Deutschland gibt es keine nationale Forstpolitik, diese ist Sache der Länder und daraus ergeben sich schon die grundlegenden Schwierigkeiten. Wir haben nicht einen, sondern 12 Ansprechpartner in den Flächenländern mit teils doch sehr unschiedlichen Ansichten.

Eine deutsche Besonderheit

Wie in keinem anderen europäischem Land, beeinflußt - oder bestimmt - ein beamteter, unter Budgetdruck stehender Auftraggeber die Konditionen und den Preis, auch für den betreuten Privatwald.
Ein kalkulierter Dienstleistungspreis ist selten durchzusetzen.

Hoheit und Wirtschaft wird verquickt

Diese Gemengelage ist eingefahren, unübersichtlich, unbeweglich dazu sehr fragwürdig und in der forstlichen Ausbildung weitgehend ausgespart.
Die Versäumnisse des deutschen Waldbesitzes und seiner Vertretung
Die deutschen Waldbesitzer und die gesamte grüne Klientel mit samt ihren Standes- und Berufsvertretungen haben sich ihre ureigenen Aufgaben, nähmlich den Umwelt- und Naturschutz wegnehmen lassen; trotz Nachhaltigkeitserfindung deutscher Forstleute und erstklassiger Forstwissenschaften.
Was ihnen geblieben ist, das ist die Holzproduktion.
Da bekanntlich der Ertrag über ständig gesunkene Holzpreise mit der Zeit immer schmaler geworden ist, sind wir in dieser Misere gelandet. Man ist unfähig gewesen, in einem der reichsten Ländern der Erde, sich die anderen lebensnotwendigen Leistungen des Waldes in einem übervölkerten Wohlfahrtsstaat vergüten zu lassen:
Sauberes Wasser, saubere Luft und die Voraussetzungen für touristische Wohltaten.
Dabei wäre es bei dem Waldbewußtsein der Deutschen nicht allzu schwer gewesen, rechtzeitig dafür Verständnis zu erlangen. Stattdessen hat man sich mit fragwürdigen und teils nicht effektiven Zuwendungen abspeisen lassen, die eine Subventionierungsmentalität erzeugt haben.
Die Schere zwischen staatlichen Auflagen (Rahmenbedingungen), Umweltvorgaben (u.a. Zertifizierung), und den Erträgen für das heimische Holz geht trotz erfolgter Rationalisierung immer weiter auseinander. Dass es bisher noch nicht zum Kollaps gekommen ist, hängt direkt mit der Existenz der Forstunternehmer, mit deren Leistung und ihrer Risiko- und Investitionsbereitschaft zusammen.
Nach der Devise:
Immer mehr arbeiten zu immer weniger Geld !
Und mit der Fähigkeit der Branche sehr flexibel den berühmten Gürtel bei Bedarf und Notwendigkeit enger schnallen zu können, im Gegensatz zu dem Beamtenapparat mit seiner Erwartungshaltung und Erbhofsicherheit.

Wer trägt dann heute die Hauptlast der Waldarbeit ?

Forstverwaltungen, die dabei sind, sich langsam aber sicher ihren eigenen Ast abzusägen und über immer weniger Personal verfügen ?
Unsere Verwaltungen haben eine Kultur entwickelt, immer mehr Risiko zu verlagern, sich selbst aber unersätzlich zu machen.
Die privaten Waldbesitzer beschäftigen nur in sehr geringem Umfang versicherungspflichtiges Personal.
Der bäuerliche Waldbesitz kommt vor lauter Spezialisierung nicht mehr in den Wald. Die Lust ist ihnen auch vergangen.
Trotz ständig steigendem Einfluß der Holzindustrie direkt auf die ursächlichen forstlichen Aufgaben, verharrt man aus vermeintlicher Verantwortung auf eigene Unersätzlichkeit. Umstruktuierung, Verwaltungsreformen, angebliche Privatisierung und viele weitere Spielarten machen die Hilflosigkeit deutlich.
Wenn irgend ein Landesfinanzminister leise nachdenkt, werden im vorauseilendem Gehorsam schon mal Waldarbeiter entlassen und Revierförstereien zusammen gelegt, sogenannte Ausschreibungen für Forstbetriebsarbeiten oder Stockverkäufe erdacht und erfunden, von VOL weit entfernt.

Kosten werden immer unten gespart !

Ohne Forstunternehmer keine Wettbewerbsfähigkeit für den deutschen Wald.
Vor diesem Hintergrund spielt sich der Forstunternehmer- Einsatz ab. Das ist nun wahrlich kein angenehmbarer Zustand und kein wirtschaftlich interessantes Umfeld.
Für Banker ein reines Horrogebilde.
Also bevor die Forstpartie den Unternehmern und ihrer Berufsvertretung hämisch angebliche Schwachpunkte vorhält, wäre es angebracht eigene Versäumnisse zu überdenken und bessere Einsatzmöglichkeiten liefern.
Weit über die Hälfte aller Arbeiten im deutschen Wald werden heute von den Forstunternehmen jeder Größe ausgeführt mit steigender Tendenz. Die technischen Investitionen betragen jährlich ca. 55 Mill. EUR, der Gesamtumsatz der Branche beläuft sich ohne Holzhandelstätigkeit auf etwar 350 Mill. EUR. Durch diesen überbetrieblichen Einsatz spart der Waldbesitz nicht nur beträchtliche Mittel ein, sondern Waldpflege und Ernte werden erst ermöglicht.

Partnerschaft oder … ?

Trotz der sehr schlechten Vorraussetzungen kommt es immer noch darauf an, wie man mit einander umgeht und wie die Sache gehandhabt wird. Ist Partnerschaft die Basis der Zusammenarbeit ? Gute Ansätze können auch bewußt negativ betrachtet werden.
Wenn von verantwortlicher Seite die berufständische Vertretung der Unternehmer schlecht geredet oder nicht ihrem gesellschaftlichen Anspruch nach behandelt wird, muß man sich über das Resultat nicht wundern. Verwerflich ist es, wenn da auch noch Vorsatz hinter stecken würde.
Ohne Frage wird die Branche und ihre Vertretung nicht nach ihrer Leistung gewürdigt, sondern nach dem oben beschriebenen Organisationsdefizit.
Nach der Leistung für den deutschen Waldbesitz ergibt sich ein ganz anderes Bild.
Man kommt dann schnell zu dem Schluß, dass ohne die Forstunternehmer der deutsche Waldbesitz doch sehr traurig aussieht und absolut nicht mehr wettbewerbsfähig ist. Selbstkritisch gesehen gibt es in dieser Richtung für die Unternehmervertretung erhebliches Informationsdefizit. – Aber das ist ein anderes Thema.

Fazit:

Abschließend sei der Wunsch geäußert, auf gleicher Augenhöhe miteinander zu verkehren und gemeinsam zu versuchen das Beste aus der Situation zu machen.
Ohne eine akzeptierte und anerkannte Berufsvertretung geht es nicht. Wenn diese Erkenntnis auch für viele neu ist, geht daran nichts vorbei. Weder für die Auftraggeberseite noch für die Forstunternehmer selbst, auch sie müssen sich wie Unternehmer benehmen und ihre eigene Berufsvertretung stützen und fördern. In diesem Zusammenhang gilt der Dank den Institutionen, die den Deutschen Forstunternehmer Verband e.V. zur Mitarbeit eingeladen haben.
Auf die hervorragende, ehrenamtliche Arbeit der berufsständischen Vertretungen sei hingewiesen, ohne diesen Einsatz wären wir noch immer im Mittelalter. Eine ständige Kritik Dritter in Richtung schlechter Organisation trägt nicht gerade dazu bei, das ehrenamtliche Engagement zu würdigen und die Zusammenarbeit mit dieser „jungen Branche“ zu fördern.

Dezember 2002
Hans-Jürgen Narjes
AfL Niedersachsen e.V.


 
AfL Niedersachsen Pressemitteilung vom 12. 04. 2002

Greenpower und Greenpeace !

Greenpeace Presseerklärungen vom 11. 4. 2002

Greenpeace-Aktion in Wilhelmshaven gegen Urwaldholz aus Russland Wilhelmshaven, 11. 4. 2002 – Greenpeace protestiert heute seit den frühen Morgenstunden in Wilhelmshaven gegen den Import von russischem Urwaldholz nach Deutschland. Aktivisten sind auf die Kräne des Piers geklettert, an dem das unter estnischer Flagge fahrende Schiff „Nemo“ seine Holzfracht entladen wollte. Am Kran haben sie ein Transparent entrollt mit der Botschaft: „Rettet die letzten Urwälder“. Die „Nemo“ hat am 30. März die am Weißen Meer gelegene Stadt Archangelsk mit Kiefern- und Fichtenschnittholz verlassen, das bei dem Solombalski-Sägewerk geladen wurde.

Mit dieser Aktion (alle Achtung !) macht Greenpeace Öffentlichkeitsarbeit in die Richtung „Holz ist nicht gleich Holz“, sondern dass es von Bedeutung ist, wo das Holz herkommt, ob es aus einer nachhaltigen Forstwirtschaft geerntet wurde und welche ökosozialen Rahmenbedingungen eingehalten wurden. (Hesinki-Kriterium 6)

Die verschiedenen Zertifikate ( PEFC, FSC usw.) werden weder uns noch dem Waldbesitz etwas nützen, solange dem Verbraucher ständig immer „billigere Preise in immer höherer Qualität“ von der Werbung eingeredet werden und die international kontrollierte Holzindustrie das Holz aus heimischer Produktion in Deutschland unter Kosten geliefert bekommt.

Logistik - das Zauberwort ?
Der Vergleich mit den „niedrigen Holzerntekosten“ in Skandinavien ?
Auch, wenn es uns gebetsmühlenartig immer wieder gepredigt wird, wir müssen unter unseren Bedingungen in Deutschland mit diversen Auflagen arbeiten.

In hochkarätigen Vertragsstaatenkonferenzen zur Biodiversitätskonvention wie z.B. kürzlich in Den Haag werden Aktionsprogramme gestartet, die in der Umsetzung die heimische Waldbewirtschaftung durch Auflagen immer unrentabler machen und dadurch die Billigimporte geradezu herauf beschwören.

Holz ist ein Wertstoff mit Zukunft, aber eine Zukunft hat unser Wald und unser das Holz nur, wenn es aus nachweislich nachhaltiger Forstwirtschaft kommt und das „dem Verbraucher“ beigebracht wird.

Damit dies heute und morgen auch möglich ist, darf das Holz unserer heimischen Forstwirtschaft unter unseren Rahmenbedingungen nicht durch billige Importe unterbewertet werden. Globalisierung hin, Globalisierung her.

Diese Aktion in Wilhelmshaven hätte von den deutschen Waldbesitzerverbänden mit unserer Unterstützung durchgeführt werden müssen. Das wäre ein Beispiel glaubwürdiger Aktivität und würde mehr bringen als das ständige Lametieren über billige Holzpreise, Gottergebene Motivationslosigkeit und eine Förderungs-Erwartungshaltung. Auch wäre eine Art Solidaritätsbekundung mit Greenpeace hinsichtlich gleicher Ziele im Rahmen der Zertifizierung sehr förderlich und angemessen. Damit könnten z.B. auch vermeintliche ideologische Gräben überbrückt und dem Kastendenken entgegen gewirkt werden.

Wer ständig nur im eigenen Saft schmort, wird nie über den Tellerrand hinaus sehen können.

Also Greenpower statt Greenpeace ???

AfL Niedersachsen e.V.
Hans-Jürgen Narjes, Vorsitzender
Ingo Herz, Stellv. Vorsitzender


 

Gründung des ENFE und des DFUV

Betrachtet man die Landschaft der berufsständischen Vertretungen für Forstunternehmer, kommt man an der Feststellung nicht vorbei, dass sich seit der KWF-Tagung im September 2000 in der sonnst von Keimruhe geprägten Branche einiges bewegt hat: In Folge der KWF-Tagung gründete sich der Deutsche Forstunternehmer Verband (DFUV) und nahm das Europäische Netzwerk der Forstunternehmerverbände (ENFE) seine Arbeit auf.

Der Zweite Europäische Forstunternehmertag der ENFE hat nun mit dem Beschluss der Satzung die übernationale Berufsvertretung gefestigt und erstmals organisatorische Voraussetzungen für eine aktive Verbandsarbeit in Europa geschaffen. Dies war dringend nötig, um die soziale und wirtschaftliche Nachhaltigkeit durch entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen. Besonders die so unbeliebten, grenzüberschreitenden Aktivitäten unserer Nachbarn sollten in freiwilliger Vereinbarung reguliert werden.

Voraussetzung für die Verbandsarbeit in Europa ist in Deutschland die Konsolidierung und der Ausbau der Landesverbände. Hier liegt einiges im Argen, wie das Desinteresse einiger Landesgruppen zeigt. Trotzdem muss diese Aufgabe erfüllt werden, soll die Branche nicht vom Casino- Kapitalismus einer international agierenden Holzindustrie zerrieben werden und als Erfüllungsgehilfe und Vorfinanzierer eben dieser Industrie verkommen. Der Waldbesitz verliert leider immer mehr seine erstmals so bestimmende Rolle.
Die gesellschaftlichen Ansprüche werden wachsen, und wir haben uns dem als Berufsstand zu stellen. Der Preis für Fach- und Qualitätsarbeit muss durchgesetzt und bezahlt werden, notfalls mit entsprechendem Druck. Die Forstwirtschaft ist auch in Zeiten globaler Holzmärkte an die Region unserer Wälder und an die Gesetze unseres Landes gebunden. Die Spannungen der Globalisierung können durch einen funktionierenden Bundesverband abgefedert werden. Im Zusammenspiel mit den Ländern ist er die beste Garantie für Gestaltungsmöglichkeiten und Einflussnahme.

Hans-Jürgen Narjes