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Ist die Waldpflege durch den modernen Maschineneinsatz auf der Strecke geblieben ?
Die Mitbegründer der AfL Niedersachsen e.V., die Brüder Martin und Wilhelm Pröhl aus Wietzendorf haben kürzlich ein sehr interessantes Buch über die Entwicklung der Forstmaschinentechnik und deren Anwendung über den Zeitraum der 1960er bis 1990er Jahre des letzten Jahrhunderts heraus gebracht. Nach eigenen Angaben wollen Sie auch der jungen Generation der Unternehmer und der Forstmaschinenfahrer die damalige Entwicklung vor Augen führen und Verständnis wecken, wie alles entstanden ist. Die Entwicklung von der motormanuellen Langholzmethode zur hochmechanisierten Kurzholzmethode.
Die Gebrüder Pröhl, kurz in Fachkreisen nur als die Pröhls bekannt, waren nicht nur erfolgreiche und eigenwillige Forstunternehmer, wie sie in der Heide häufig anzutreffen waren, sondern sie haben auch aus ihren praktischen Erfahrungen heraus interessante technische Entwicklungen hervor gebracht, die beschrieben werden.
Besonders der berühmte Wie.fo.tek-mini, ein kleiner Rückezug mit bemerkenswerter Standfestigkeit, ist dafür ein beredtes Beispiel.
Bekannt waren die Pröhls vor allem für Spezialbringungs-Aufträge:
Es gibt wohl in Niedersachsen kein Moor, in dem sie nicht Holz unter schwierigsten Verhältnissen gerückt haben. Eine Aktion an den Hängen der Porta Westfalica ist in die Geschichte ein gegangen. Timberjack, Rottne und TEG waren die Waffen, die neben dem Erfindungsreichtum und dem stur dem Ziel verfolgend, das Holz kommt raus ! den Erfolg ausmachten.
Interessante Bilder im Buch belegen u. a. die damaligen Aktionen.
Das war „technische Befahrbarkeit“ pur.
Die Antwort des Untertitels Ist die Waldpflege durch den modernen Maschineneinsatz auf der Strecke geblieben? wird nicht konkret beantwortet, sondern vage gibt man sich der Hoffnung hin, dass Förster, Unternehmer und Forstmaschinenindustrie bemüht sein sollten, den richtigen Weg zu finden. Da muss man leider Wasser in den Wein der Erwartungen gießen, alle drei Genannten, bestimmen leider nicht, sondern sie reagieren auf Entscheidungen Dritter.
Unsere Wälder sind gravierend verändert erschlossen worden. Eingriffe nicht für möglich gehaltener Mengen je ha, werden selbstverständlich und scheinbar Waldbau verträglich geerntet. Nicht der Waldbau bestimmt den Kurs, sondern ausschließlich der globale Markt. Die dann weiter entwickelte Harvester-Technologie hat diese und andere Veränderungen erst möglich gemacht. In der Zeit, die das Buch beschreibt, gab es jedes Mal empörte Aufschreie, wenn wir vom maschinengerechten Wald sprachen oder schrieben. Wir haben ihn bekommen, mit Unterstützung der Zertifizierung!
Das Buch mit sehr vielen technischen Details aus alten Originalprospekten und kritischen Anmerkungen zu Förstern und Zertifizierern, ist dem Studium wärmstens zu empfehlen.
Interessant könnten für die Zertifizierungsgesellschaften die Denkungsart der Praktiker (Holzrücker) zu der Umsetzung dieser hehren Ziele sein. Wenn, wie beschrieben, in lockerer Atmosphäre eines Kindergeburtstages ein Wichtigtuer den altgedienten Praktikern einen Quatsch über Bodendruck, Breitreifen, und Bioöle erzählt, das dann mit einer später zugestellten Urkunde an die 1.400, € kostet, wird die Stimmung deutlich beschrieben.
Die Schilderung des Kapitels Die Zertifizierer kommen beschreibt, wie so etwas in den Augen der Rücker abläuft und welcher Eindruck draußen im Busch entsteht. Die Diskrepanz zwischen damaliger Denkungsart und heutigen Anforderungen nach zehn Jahren PEFC sind noch riesig groß und treffen dann unvermittelt aufeinander.
Das ist Praxis wiederum pur.
Ein lesenswertes Buch, dass zumindestens für alle, die die damalige Entwicklung aktiv miterlebt haben viele Erinnerungen an eine Zeit und an eine Welt weckt, in der es noch echte Männer gab, wo das Wort noch galt und es noch Forstmeister gab, die dazu standen.
Es kostet 35,90 € und ist unter der Telefon-Nummer 05196-405 oder dem Fax 05196-96 39 108 zu bestellen.
Wilhelm.Proehl@t-online.de
www.wood-fascination.de
Eine subjektive Rezension dieses interessanten Buches aus Sicht eines Kriegskameraden, von Hans-Jürgen Narjes, der alles life miterlebt hat.
11. Oktober 2009