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AfL Niedersachsen e.V.

 

Protokoll:

Anforderungen an moderne Prozessketten aus der Sicht von Forstunternehmern

Treffen von innovativen Forstunternehmern am Niedersächsischen forstlichen Bildungszentrum in Münchehof am 7. Januar 2004

Die Entwicklungen in der Holzindustrie zur Optimierung von Prozessketten mit neuen Playern auf der Fläche forcieren die Notwendigkeit, Vorstellungen der Forstunternehmer an effiziente Prozessketten mit einzubringen, da sowohl die Holzernte als auch der Transport vorwiegend von klein- und mittelständischen Unternehmen durchgeführt werden.
Daher will die AfL Niedersachsen als Interessenvertretung erstmals eine gemeinsame interne Position zu einer Einbindung in bestehende und neue Prozessketten erarbeiten, und eigene Vorgaben dazu formulieren.
In einem ersten Schritt sind dazu bei einem eintägigen, von der Jaakko Pöyry Management Consulting moderierten Workshop die Problembereiche innerhalb bereits existierender Prozessketten erfasst worden. Die Problembereiche wurden getrennt nach Akteuren in der Prozesskette dargestellt und anschließend wichtige Teilbereiche vertiefend diskutiert.
Das mittelfristige Ziel wird die Abstimmung eines abschließenden Anforderungsprofils an Prozessketten aus der Sicht von forstlichen Dienstleistern sein.
Das ergänzte Anforderungsprofil dient danach als Diskussionsbasis für Abstimmungen mit den Vertretern des Waldbesitzes und der Holzindustrie zur Einbindung von Forstunternehmern in bestehende und neue Prozessketten.

Anforderungsprofil an Waldbesitzer

Im Rahmen einer weiteren guten Zusammenarbeit mit den Waldbesitzern als Auftraggeber für forstliche Dienstleistungen werden noch deutliche Möglichkeiten zu einer Verbesserung der Zusammenarbeit gesehen.
Die folgende „Wunschliste“ von Verbesserungsmaßnahmen stellt dabei keine abschließende Aufzählung dar. Sie wurde im Rahmen einer allgemeinen Diskussion innerhalb des Workshops in Münchehof erarbeitet.

  1. Eine umfassende Vorbereitung der Bestände mit vollständiger Auszeichnung, Gassenabständen nicht über 30 Metern und vorbereitetem Kartenmaterial sollte der Standard für eine Arbeitsvorbereitung sein. Dabei sollen anfallende Kleinmengen von vornherein (im Rahmen von Selbstwerbungen) gebündelt werden.
  2. Das Auftragsvergabeverfahren sollte transparent und standardisiert ablaufen, um eine Vergleichbarkeit und Kalkulierbarkeit von Unternehmerpreisen zu gewährleisten. Vorweg sollten Waldbesitzer einen regionalen Pool von zertifizierten Unternehmern aufbauen, sowie Qualitätsstandards und Richtpreise definieren.
  3. Ein Ziel sollte die Entwicklung von einheitlichen Qualitätsstandards auf der Fläche mit einer anschließenden Kontrolle durch den Waldbesitzer sein.
  4. Ebenso werden einheitliche Regelungen für Zahlungen an die Unternehmer gewünscht, um den Geschäftsbetrieb kontinuierlich weiter führen zu können und eine bessere Planbarkeit zu ermöglichen.
  5. Eine Festlegung von Vergütungssätzen für standardisierte Arbeiten und nachfolgend deren Umsetzung auf der Fläche stellen ein weiteres Ziel der Forstunternehmer dar.
  6. Im Zuge der Schaffung einer Auftragskontinuität (Ausgleich saisonaler Schwankungen) erscheint auch eine Abstimmung des Waldbesitzes mit Forstunternehmern bereits in der Planungsphase für das nächste Forstwirtschaftsjahr sehr sinnvoll.
  7. Standardisierte Verträge für forstliche Dienstleistungen sollten eine faire Risikoverteilung (Kalamitäten, Anfuhrsperren) und eine klare Regelung des Subunternehmertums beinhalten. In notwendigen Einzelfällen sollte dabei die Entscheidungskompetenz auf die Revierebene verlagert werden.

Das Ziel der Forstunternehmer ist und bleibt der Aufbau und die Pflege eines gesunden Vertrauensverhältnisses zwischen Forstunternehmern und Waldbesitzern.

Im Rahmen der weiterführenden Diskussion wurde der Themenblock „Marktpräsenz durch Unternehmerstandards“ als Forderung an die Waldbesitzer näher diskutiert.

Marktpräsenz durch Unternehmerstandards
Grundsätzlich wird von Seiten der Forstunternehmer ein Kontrollsystem gewünscht, das Unternehmerstandards wie die Qualität der Maschinenausstattung, die Arbeits- und Ausbildungsqualität misst und prüft und ob die Unternehmerstandards nach CoC oder RAL eingehalten werden. Ausnahmelösungen für Katastrophenzeiten sind innerhalb dieser Regelungen erwünscht. Ein weiteres Ziel stellt die Anerkennung der eigenen Zertifizierung durch PEFC dar. Das Verbesserungspotenzial besteht in einem besser kalkulierbaren Markt für alle Beteiligten und einer Transparenz bei der Vertragsgestaltung und beim Subunternehmertum. Der Aufbau einer dazu erforderlichen Unternehmenskultur (Preisdisziplin) seitens der Forstunternehmer ist dabei eine Schlüsselvoraussetzung.
Umgesetzt werden kann die Kontrolle vor Ort durch die zuständigen Revierleiter, eine unabhängige Kontrollinstanz oder durch Kontrolleure des KWF. Ideal wäre ein von PEFC anerkanntes Zertifizierungssystem das mit dem Unternehmerverband abgestimmt wird und mit Übergangsfristen auf der Gesamtfläche eingeführt werden kann.

Anforderungsprofil an die Forstunternehmer selbst

Die Forstunternehmer sehen auch innerhalb der eigenen Reihen deutliche Potenziale für die Realisierung von Einsparpotenzialen und eine besser koordinierte Zusammenarbeit in der Prozesskette.
Die folgenden Anforderungsprofile an Forstunternehmer selbst sollen zukünftig als Standard auf der gesamten Fläche umgesetzt werden.

  1. Die Marktpräsenz auf der Fläche kann nur über nachhaltig gute Qualität und hohe Standards für Dienstleistungen auf der Fläche erhalten und ausgebaut werden.
  2. Die Schaffung einer eigenen Unternehmenskultur der Forstunternehmer ist eine der zentralen Voraussetzungen für ein gemeinsames Auftreten auf dem Markt. Die Unternehmenskultur zielt auf eine gemeinsame Preis- und Leistungspolitik ab.
  3. Der Aufbau von eigenen Unternehmerpools dient zu einer Stärkung der Marktstellung und für eine lückenlose Auftragserfüllung in der Region.

Das Ziel der Forstunternehmer ist eine höhere Marktpräsenz aufgrund guter Arbeitsqualität zu fairen Preisen für Waldbesitzer und Holzindustrie.

Im Rahmen der weiterführenden Diskussion wurde die Themenblöcke „Zusammenarbeit im Rahmen von Kooperationen“ und „Umsetzung einer Unternehmenskultur“ als eigene Zielvorstellungen näher diskutiert.

Horizontale/vertikale Kooperationen
Innerhalb einer Fadenkreuzdiskussion sind die Möglichkeiten zur Gründung von Unternehmerpools zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit näher diskutiert worden.
Die Gründung von Unternehmerpools führt zu einer Bündelung von Unternehmerleistungen und zur Möglichkeit für diese Unternehmen auch Komplettlösungen anzubieten. Diese horizontalen Kooperationen von verschiedenen Unternehmen sollten auf der Basis vertraglicher Regelungen und einheitlicher Unternehmerstandards stattfinden. Grundlage für die Kooperationen ist eine gemeinsame Vertrauensbasis durch Zuverlässigkeit. Hohe Vorlaufzeiten zur Vermeidung von Abstimmungsproblemen und ein hoher Koordinationsaufwand sind die Voraussetzung für die gemeinsame Bewältigung großer Auftragseinheiten.
Verbesserungen innerhalb der Kooperationen können vor allem durch „innovative“ Standardisierung bei Vertragsgestaltung und Verfahrensabläufen erzielt werden. Dabei ist die Nutzung neuer Kommunikationstechnik zur Reduktion von bisherigen Transaktionskosten (z. B. ELDAT, Geo-Mail, GIS) von zentraler Bedeutung. Transparente Verfahrensabläufe verbunden mit standardisierten Verträgen sollen dann unter den Partnern die nötige (Rechts)Sicherheit bringen.

Umsetzung einer eigenen Unternehmenskultur
Eine gemeinsame Unternehmenskultur kann nur durch eine Verbesserung der Vertrauensbasis untereinander aufgebaut werden. Die Verbandsarbeit soll im Rahmen von Schulungsveranstaltungen und Fortbildungsmaßnahmen die Rahmenbedingungen für geeignete „Keimzellen“ schaffen.
Die eigene Unternehmerzertifizierung nach RAL stellt neben einer standardisierten Aus- und Fortbildung mit dem Ziele eines einheitlichen Berufsbildes einen weiteren Baustein zu einer gemeinsamen Unternehmenskultur dar.
Die Umsetzung der Unternehmenskultur auf der Fläche beginnt mit der Einhaltung von gemeinsam definierten Standards (Qualität der Aufarbeitung, Preisrahmen). Daran anschließen soll sich das Bekenntnis zu Kooperationen und die anschließende Umsetzung von horizontalen Kooperationen (Forstunternehmer). Kooperationen mit Industrie und Waldbesitz sollen folgen (vertikale Kooperation). Wichtig erscheinen in diesem Zusammenhang eine einheitliche Maßermittlung und standardisierte Abrechnungsverfahren der Industrie, sowie ein Kundenschutz bei Kooperationen.

Anforderungsprofil an die Holzindustrie bei einer Zusammenarbeit mit forstlichen Lohnunternehmern

Auch im Rahmen einer Zusammenarbeit mit den Abnehmern in der Holzindustrie sehen die Forstunternehmer noch Verbesserungsmöglichkeiten. Die folgenden Anforderungen an eine Prozesskette wurden im Rahmen der allgemeinen Diskussion erörtert.

  1. Aufbau einer kontinuierlichen Zahlungsbereitschaft für bereits erbrachte Leistungen, um Liquiditätsengpässe, hohe Zinsbelastungen und Insolvenzen zu vermeiden („Dominoeffekt“)
  2. Schaffung einer Planungssicherheit für Unternehmer durch die Industrie zur Verbesserung der Betriebsauslastung, zur Preissicherheit und Planungstransparenz (Auslastungszusagen).
  3. Anerkennung eines Gebietsschutzes für Kundenkontakte von Lieferanten oder Lieferantenpools (selbstwerbende Händler).
  4. Einbezug von „Messvereinen“ zu Schaffung einer transparenten Maß- und Gewichtsermittlung
  5. gegenseitige Einbindung in den Kommunikationsfluss (Waren, Finanzen, Informationen) , um die Reibungsverluste entlang der Wertkette Holz so gering wie möglich zu halten.

Das Ziel der Forstunternehmer ist eine vertrauensvolle, partnerschaftliche Zusammenarbeit mit der Holzindustrie.

Im Rahmen einer weiterführenden Diskussion wurden die speziellen Problembereiche „kontinuierliche Zahlungsbereitschaft der Holzindustrie“ und „Schaffung von Planungssicherheit für Unternehmer durch die Holzindustrie“ näher erörtert.

Kontinuierliche Zahlungsbereitschaft
Lösungsmöglichkeiten und Verbesserungsvorschläge können dabei nach der Meinung von Forstunternehmern nur im Dialog mit Vertretern der Holzindustrie erarbeitet werden. Verbesserungsvorschläge beinhalten neben einer Trennung der Abrechnung von Holzkauf und damit verbundener Dienstleistung auch einen Abbau von Bürokratie und die Vereinbarung von 14-tägigen Zahlungszielen. Weiterhin sind Vorstellungen über Bürgschaften der Industrie für Unternehmer zu einer Finanzierung wie auch eine Entkoppelung der Zahlungen der Industrie von ihren Kunden denkbar.
Als Voraussetzung für eine Umsetzung wird die Einbindung der Forstunternehmer in den Kommunikationsfluss zwischen Industrie und Waldbesitz gesehen, sowie die Schaffung einer Vertrauensbasis durch einen ständigen Abgleich.

Schaffung von Planungssicherheit durch die Industrie
Eine kontinuierliche Betriebsauslastung, Preissicherheit und eine Planungstransparenz für Forstunternehmer erscheint nur mit einer Beteiligung aller Akteure der Wertkette „Holz“ möglich. Als wichtigste Maßnahme wird ein durchgängiger und permanenter Informationsfluss vom Abnehmer zum Erzeuger und zurück unter Ausnutzung der vorhandenen technischen Möglichkeiten (z. B. GIS, ELDAT, Geo-Mail) gesehen. Weiterhin wird eine Senkung der Transaktionskosten und damit ein Ausschöpfen aller Reserven innerhalb der Wertkette als zwingende Voraussetzung für die Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit der gesamten Prozesskette gesehen (z. B. Trailerbeladung, Werkvermessung, Werksortierung).
Für eine Umsetzung dieser Schritte sehen die Forstunternehmer deutlichen Ausbildungs- und Qualifizierungsbedarf aller Akteure, der durch Öffentlichkeitsarbeit der Verbände und Seminare an verschiedenen Waldarbeitsschulen durchgeführt werden kann. Diese Problematik sollte zudem schon in die Ausbildung an Waldarbeitsschulen, Fachhochschulen und Universitäten integriert werden.

Abschließend muss festgehalten werden, dass diese Veranstaltung nur eine Auftaktveranstaltung für weitere Abstimmungen sein kann. Eine Abstimmung von Forstunternehmern mit beiden Partnern entlang der Prozesskette bringt allen Akteuren Vorteile und erhöht die Wettbewerbsfähigkeit in einem Umfeld, das sich globalen Herausforderungen stellen muss.